Übung des Monats

September 2016: Die Kokosnuss-Insel

Aufbau

  • Wir bauen ein Feld mit den Maßen 15x15 Metern. An den Seiten positionieren wir zwei Tore und (wenn vorhanden) zwei Bänke, wie in der Abbildung zu erkennen.
  • Auf die Bänke und in die Tore stellen wir jeweils drei Hütchen mit Bällen darauf (Palmen und Kokosnüsse). Möglichst mehr Palmen als Kinder, sodass jedes Kind die Chance hat erfolgreich zu sein.  

Variation

  • Feldgröße und Hütchenanzahl an Spielerzahl anpassen
  • Anstatt Hütchen mit Bällen, können Kegel verwendet werden.  

Ablauf

  • Die Kinder dribbeln mit dem Ball innerhalb des Feldes und schießen mit ihren eigenen Bällen die Bälle (Kokosnüsse) von den Hütchen (Palmen).
  • Nach jedem Schussversuch holen sie sich ihren Ball zurück und starten einen neuen Versuch.
  • Wenn alle Bälle von den Hütchen geschossen sind ist der Durchgang beendet.  

Geschichte

  • Wir sind auf einer Insel und haben ganz viele hungrige Äffchen gefunden. Die Äffchen sind krank und können nicht mehr klettern. Mit den Kokosnüssen, die wir auf den Palmen gefunden haben, werden die Äffchen satt und können sich erholen, um wieder gesund zu werden. 
  • Lasst uns ganz schnell alle Kokosnüsse von den Palmen schießen!  

Wettkampf

  • Es werden Teams gebildet, die abwechselnd ins Feld gehen und der Trainer stoppt die Zeit, bis die letzte Nuss von der Palme geschossen ist. 
  • Alternativ können die Teams gleichzeitig ins Feld gehen und jedes Team bekommt zwei Seiten zugeteilt (ein Tor und eine Bank). Das Team, welches seine Seite zuerst abgeräumt hat, gewinnt.  

Hinweise

  • Zu Beginn der Einheit sollte mindestens ein Durchgang, zur Vereinfachung und zum Kennenlernen des Ablaufes, mit der Hand durchgeführt werden. 
  • In das große Feld kann ein kleineres Schussfeld eingebaut werden, sodass eine bestimmte Entfernung zu den Palmen von den Kindern eingehalten wird.
  • Der Trainer dient als Erzähler, Motivator und Kampfrichter.
  • In einer freien Runde, kann der Trainer gezielt auf einzelne Kinder eingehen und deren Technik verbessern.

Oktober 2016: Schnelligkeitstraining

Altersbereich

  • Jugend und Erwachsene

Aufbau 

  • Wir benötigen zwei Korridore mit jeweils einem Minitor am Ende (Breite ca. 15m). Ausgehend vom Tor, bauen wir folgenden Parcours:
  • Der erste Abstand zwischen Tor und Abschlusslinie ist sehr variabel. Dieser ist abhängig von der gewünschten Technik. Bei einem Pass liegen wir bei 5-10 Metern, möchten wir von unseren Spielern einen Torschuss kann der Abstand bis zu 20 Meter betragen. Optimal markieren wir die Linie mit flachen Gummischeiben.
  • Der nächste Abstand beträgt etwa 2-3 Meter. Hier wird eine Stangenreihe aufgestellt, welche in der Übung einen Gegner simulieren soll. Die mittlere Stange steht mittig zum Tor und die äußeren Stangen jeweils drei Meter zur Seite versetzt. Zur besseren Unterscheidung können verschiedene Farben für den jeweiligen Parcours verwendet werden.
  • Zur Hütchenreihe mit den Bällen, haben wir einen weiteren Abstand von ca. acht Metern. Dieser dient der Temposteigerung vor der Finte. Die Hütchen werden in der Breite analog zu den Stangen gesetzt. Jedes Hütchen bekommt einen Ball zur Seite gelegt. Zur Fairness bei einem Wettkampf, muss darauf geachtet werden, dass die Bälle in den Korridoren jeweils auf der gleichen Seite liegen.  

Ablauf 

  • Jeweils ein Spieler positioniert sich auf der mittleren Position der Ballreihe. Die Blickrichtung spielt im Moment keine Rolle. Sollte bei beiden Spielern allerdings gleich sein.
  • Das Startsignal für den Sprint gibt der Trainer durch die Ansage einer Farbe.
  • Die Spieler sprinten zunächst weg vom Tor. Sie müssen um das einzelne Hütchen und anschließend zum Ball am Hütchen mit der angesagten Farbe.
  • Der Ball wird mitgenommen und zur Stange gedribbelt, welche dem Ball am nächsten steht.
  • An der Stange wird eine vorgegebene Finte ausgeführt. Bei den äußeren Stangen sollte diese zur Mitte gemacht werden. Im Zentrum kann man es den Spielern freilassen.
  • Nach der Finte und dem Umspielen der Stange müssen die Spieler den Ball noch über die Schusslinie dribbeln, um auf das Minitor abschließen zu dürfen.
  • Einen Punkt für sein Team erhält der Spieler, dessen Ball zuerst im Tor ist.
    • Eine mögliche Variante wäre, den Torerfolg immer mit einem Punkt zu belohnen und zwei Punkte für den schnelleren Abschluss (mit Torerfolg)  zu vergeben.
  • Die nächsten Spieler besetzen das freie Hütchen mit ihrem Ball und positionieren sich wieder in der Mitte.

Variation

  • Neben den verschiedenen Finten und Abschlusstechniken, können wir die Signalgebung und die Anzahl der Signale verändern.
    • Signale (Farben) können akustisch (Rufen) und optisch (Trainer zeigt ein Hütchen mit der Farbe) gegeben werden.
    • Belegen wir die Stangen ebenfalls mit unterschiedlichen Farben, können wir zwei Farben nacheinander ansagen und somit nach der Ballmitnahme eine weitere Richtungsänderung und damit verbunden eine Orientierung einbinden.
  • Eine zusätzliche Steigerung des Anspruchs erhalten wir, indem wir das Thema der Kognition einfließen lassen.
    • Hierzu kann es schon genügen, den Signalen eine veränderte Bedeutung zu geben. Bspw. die Ansage „ROT“ bedeutet nicht mehr zum roten Hütchen zu laufen, sondern zum blauen

Hinweise

  • Da die einzelnen Läufe im Schnelligkeitstraining mit einer Intensität von 100% gemacht werden müssen, sollte der Zeitpunkt im Training immer zwischen dem Erwärmen und dem Hauptteil erfolgen.
  • Muskulatur ist erwärmt aber noch voll belastbar.
  • Hinzu kommt bei der Einbindung der Kognition, dass auch die Konzentrationsfähigkeit der Spieler hoch sein muss und dies am Ende einer Trainingseinheit nicht mehr voll gegeben ist.

November 2016: Einwurf

Ausgangsgedanken

  • Der Ansatz für das Thema Einwurf ist der teilweise fahrlässige Umgang mit dem eigenen Einwurf. Spielklassenunabhängig kann häufig beobachtet werden, wie sich Mannschaften schwer dabei tun, nach einem Einwurf in Ballbesitz zu bleiben bzw. aus dem vermeintlichen Vorteil etwas Zählbares herauszuholen.  

Lösungsansatz

  • Der Lösungsansatz ist im Grundgedanken sehr einfach: Üben! In der Praxis bedeutet dies, sich Laufwege mit anschließenden Kombinationsmöglichkeiten zurechtzulegen und diese im Training zu automatisieren.   
  • Im weiteren Verlauf wird eine mögliche Einwurfsituation und eine passende Lösungsvariante vorgestellt. o  
    •  Weitere Varianten gibt es bei der Teilnahme am Profillehrgang Jugend der bfv-C-Trainer-Ausbildung.  

Grundsituation

  • Die Mannschaft im Ballbesitz hat im vordersten Drittel Einwurf.
  • Ziel ist es, den Ball nach dem Einwurf möglichst schnell in einen torgefährlichen Raum zu bekommen.

Dezember 2016: Fang- und Bewegungsspiele bei Kindern

Grundinformationen

  • Kleine Spiele erfüllen mehrere wichtige Funktionen im Kindertraining:
    • Sie vermitteln erste elementare Bewegungsformen wie laufen, hüpfen, klettern, springen und werfen.
    • Sie geben den Kindern die Möglichkeit, einfache Regeln zu erlernen und sie zu akzeptieren.
    • Sie vermitteln erste Erfahrungen mit Konkurrenz- und Kooperationssituationen.
  • Durch ein weit gefächertes Angebot an Bewegungsspielen hat der Übungsleiter außerdem die Möglichkeit, seinen Kindern ein breites Spektrum an Bewegungserfahrungen zu vermitteln, die dem künftigen Fußballstar als wichtige Grundlage beim Erlernen und Verbessern seiner fußballspezifischen Techniken nützlich sein werden.
  • Dabei sind Spielformen besondersfür zwei wichtige Bereiche von elementarer Bedeutung: Zum einen für die speziell im Grundlagentraining so wichtige Koordinationsschulung, zum anderen langfristig als erster Schritt zu einem gezielten Schnelligkeitstraining.

Ziele

  • Bewegungsspiele können im Training vielfältige Aufgaben übernehmen:
    • Zu Beginn dienen sie in erster Linie zum Aufwärmen und Einstimmen sowie der Abarbeitung des ersten Bewegungsdrangs der Kinder.
    • Während des Trainings werden Spiele eingesetzt, um genau definierte Trainingsziele zu erfüllen. Solche Ziele sind z.B. Spiele zur Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten oder Spiele welche dazu dienen, die Schnelligkeit zu verbessern.
    • Zum Ende als freudvoller Abschluss der Übungseinheit.

Methodik und Organisation

  • Spiele machen Spaß! Dies kann dazu führen, dass der Übungsleiter ein Spiel zu lange laufen lässt und somit die Gefahr besteht, dass das Spiel „kaputtgespielt“ wird
    • Also immer daran denken:  Kurz und knackig!
    • Lieber zwei oder drei kurze Durchgänge mit Pausen (kann man dann wunderbar für Einzelübungen mit dem Ball nutzen), als einen Durchgang zu lange laufenzulassen.
  • Grundsätzlich hat jedes Spiel Regeln. Diese Regeln sollen für den Trainer jedoch kein Dogma sein. Vielmehr geben sie einen Rahmen vor, den der Trainer ausgestalten muss.
  • Auch Angaben über Spielfeldgröße und Anzahl der Spieler (Fänger und Läufer) sind keine fixen Vorgaben. Sie müssen von jedem Trainer seinen individuellen Gegebenheiten entsprechend angepasst werden.
  • Ein wichtiger Hinweis:Besonders in der Altersgruppe der Kleinsten, also in der Altersgruppe der Bambini und der F-Junioren ist es hilfreich, Spiele in kleine Geschichten zu verpacken. Das Verwenden von sprachlichen Bildern erleichtert den Kindern die Vorstellung, regt die Phantasie an und schafft somit eine bessere Identifikation mit dem Spiel. Auch das Mitspielen des Trainers bereitet den Kindern Freude und sorgt für zusätzliche Motivation. Auch wird durch das Zusammenspielen das Gemeinschaftsgefühl gestärkt (der Trainer gehört zum Team; er spielt mit seinen Partnern).

Zwei Beispiele aus unserem Skript für das C-Lizenz-Profil „Kinder“

Schwänzchenfangen

Der bekannte Klassiker bietet sich häufig an, da man als Trainer/Betreuer auf ein gewisses Vorwissen bei den Kindern spekulieren kann. Viele Kinder kennen das Spiel aus der Schule, teilweise auch schon aus dem Kindergarten.

Ablauf

  • Alle Kinder stecken sich ein Markierungshemdchen hinten in die Hose. In einem abgegrenzten Raum versucht nun jedes Kind, dem anderen das Hemd zu rauben.
  • Um Standzeiten zu verringern, dürfen die Kinder auch ohne Leibchen weiterfangen. Sie sollen einfach immer ein Leibchen in der Hose haben. Fehlt dieses, fangen sie ein neues und stecken dieses wieder in die Hose. Hat ein Kind mehrere Leibchen geraubt, so kann es bei Verlust des eigenen, ein Leibchen aus der Hand direkt in die Hose stecken.
  • Wer hat nach einer bestimmten Zeit die meisten Leibchen?

Variation

  • Es spielen zwei Teams gegeneinander. Jedes Team hat Hemdchen der gleichen Farbe. Die Spieler versuchen nun Hemdchen der anderen Mannschaft zu rauben. Welche Mannschaft hat die meisten Hemdchen?

Doktorfangen

Ablauf

  • Die Fänger versuchen andere Spieler abzuschlagen. Im Zeitalter der modernen Medizin ist aber bei den ersten beiden Treffern noch nicht viel passiert. Sie müssen lediglich auf die Stelle, an der sie getroffen sind, ein Pflaster aufkleben (die Hand darauf legen). Erst wenn ein Spieler keine Hand mehr frei hat und getroffen wird, muss er ausscheiden.
  • Es gibt keine „Doppeltreffer“. Ist ein Kind getroffen, kann es sich kurz sammeln und das Pflaster auftragen. Danach geht es für das Kind weiter.

Hinweis

  • Neben der Grundbewegung des Laufens und des Tobens, kommt hier ein besonderer koordinativer Anspruch hinzu. Grundsätzlich erschwert es den Kindern das Laufen, da es nur noch einen bzw. keine Arme mehr hat. Das Gleichgewicht wird dadurch bei Kindern deutlich erschwert. Eine Empfehlung an alle Erwachsenen: einfach mal ausprobieren! Im Zick-Zack rennen und vor etwas fliehen, wenn eine Hand am linken Schulterblatt klebt und die andere Hand die rechte Hüfte abdeckt.



Viel Spaß beim Ausprobieren!

Januar 2017: Footbonaut für Amateure

Ausgangsgedanken

  • Der Footbonaut ist eine sehr teure Alternative, um kognitive Fähigkeiten in Kombination mit technischen Fertigkeiten computergesteuert zu trainieren. Der Aufbau ist in der Theorie noch recht simpel (14x14m Kunstrasenfläche umgeben von vier Wänden mit 72 quadratischen Öffnungen). In Verbindung mit den anzusteuernden technischen Komponenten und der erforderlichen Software, wird es zu einem (für den Amateurbereich) unbezahlbaren Trainingsgerät.
  • In der Grundfunktion kann der Footbonaut eigenständig aus vier tiefen und vier hohen Öffnungen (zwei auf jeder Seite) Bälle in das Spielfeld bringen. Diese können in der Abfolgegeschwindigkeit, der Stärke, der Flugbahn und dem Effet variiert werden. Ziel ist es für den Übenden, den Ball in ein vorgegebenes Feld in einer der Wände zu spielen. Woher der Ball kommt und wohin der Ball gespielt werden muss kann durch optische und/oder akustische Signale angegeben werden. Im Anschluss an jeden Durchgang (Durchgänge werden individuell über die Zeit oder über die Anzahl der zu verarbeitenden Bälle gesteuert) erfahren Trainer und Spieler eine genaue Analyse über die Trefferquote und Geschwindigkeit der Ballverarbeitung bis zum Abschluss.
  • Der große Vorteil liegt aus unserer Sicht darin, dass Spieler sehr individuell und mit einer hohen Wiederholungszahl in kürzester Zeit arbeiten können. Dadurch lassen sich selbst im Profibereich kleine und große Defizite in der Technik (Ballmitnahme/Ballweitergabe) korrigieren. Ein besonderer Bonus liegt in der Kombination von Techniktraining und der Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten.
    • Unter Kognition versteht man im Allgemeinen die Fähigkeit des menschlichen Gehirns Verknüpfungen aller Art herzustellen. Im Fußball zeichnen sich gute kognitive Fähigkeiten dadurch aus, dass der Spieler unter Einfluss äußerer Umstände richtige Entscheidungen treffen kann. Durch eine gute Ausbildung können Spieler neue Situationen schnell erkennen und entsprechend handeln. Man verwendet hier gerne den Begriff der Handlungsschnelligkeit. Die Handlungsschnelligkeit ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Spieler besitzen kann. Durch frühzeitiges reagieren auf Ball- und Gegnerbewegungen können Gefahrensituationen (Möglichkeit des Ballverlustes) umgangen und optimaler Weise zum eigenen Vorteil genutzt werden.
  • Da die Kosten einer solchen „Hightechwaffe“ (der Footbonaut benötigt optimaler Weise auch eine eigene Halle) mitunter im siebenstelligen Bereich liegen, möchten wir im Folgenden einen Übungsaufbau und verschiedene Abläufe zeigen, die es dem Amateurtrainer ermöglichen die Vorteile des Footbonauten auch im Alltag zu nutzen.  

Aufbau

  • Der Grundaufbau sieht ein Feld von 10x10 Metern vor, welcher mit vier Hütchen (verschiedene Farben) an den Ecken begrenzt wird. Auf den Seitenlinien steht mittig je ein Minitor.

Grundübung

  • Ein Spieler steht ohne Ball im Zentrum des Quadrates. An den vier Ecken des Feldes verteilen sich vier Spieler mit jeweils einem Ballpool
  • Den Toren werden Zahlen als Erkennungsmerkmal zugeordnet
  • Der Trainer gibt in der Grundübung durch eine akustische Signalgebung eine einfache Abfolge vor
    • „rot – 2“
  • Der Spieler muss im gewählten Beispiel einen Ball, der aus der roten Ecke gepasst wird, in das Tor 2 spielen
  • Der Spieler macht 8-10 Wiederholungen mit verschiedenen Ansagen des Trainers und wechselt anschließend mit einem der Passgeber

 

 

Übungsvarianten

  • Verändern der Signalgebung von akustischen auf visuelle Ansagen
    • Hütchen mit Farben hochhalten
    • Zahlen per Fingerzeig
  • Verändern von Wortbedeutungen
    • „blau“ bedeutet „rot“ / „rot“ bedeutet „gelb“ / …
    • diese Veränderungen können sich auch auf die Kategorie beziehen:„blau“ bedeutet „1“ / „1“ bedeutet „rot“ / …
    • um die Fähigkeiten des Kombinierens weiter zu schulen, können Begriffe verwendet werden, die mit einer bestimmten Farbe verbunden sind: „Kirsche“ bedeutet „rot“ / „Pflaume“ bedeutet „blau“ / „Sonne“ bedeutet „gelb“ / …
  •  Erweitern von Lauf- und Passwegen
    • der Zentrumspieler muss einen zusätzlichen Doppelpass mit Außen spielen: „rot“-„blau“-„4“
    • vor dem Abschluss erfolgt eine vorgegebene Finte  
  • Erweitern der Spielerzahl
    • im Zentrum befinden sich zwei oder mehr Spieler, welche sich den Ball in einer vorgegebenen Reihenfolge zuspielen müssen, bevor das Tor angespielt werden darf: „orange“ (erster Ball) – „rot“ (erster Spieler) – „weiß“ (zweiter Spieler) – „grün“ (dritter Spieler) – „2“ (Zieltor)
    • zwei Spieler befinden sich im Zentrum und müssen vor dem Abschluss ein 1-gegen-1 absolvieren
  • … die einzige Begrenzung der Varianten besteht aus der Fantasie des Trainers!

März 2017: Freistöße aus dem Halbfeld

Ausgangsgedanken

  • Der eigene Freistoß, wenn er sich auch noch in Tornähe des Gegners befindet, stellt einen klaren Vorteil für das eigene Team dar. Mit Freistoßkünstlern wie einem Hakan Calhanoglu, Andrea Pirlo, David Backham oder Juninho sind direktverwandelte Freistoßtore keine Seltenheit. Problem dabei: nicht jeder hat einen solchen Künstler in seinem Team. Daher versuchen sich immer mehr Trainer mit ihren Mannschaften an Freistoßtricks. Diese können aus einer reinen Verwirrungstaktik bestehen, wie es Thomas Müller mit seinem Stolpertrick gezeigt hat. Sie können auch sehr komplizierte Passkombinationen beinhalten, welche allerdings für den Amateurspieler teilweise nur sehr schwer umzusetzen sind.

  • Aus diesem Grund haben wir heute zwei sehr einfache, aber sehr effektive Varianten ausgearbeitet, die es ermöglichen sollen nach einem Freistoß möglichst unbedrängt bzw. in einer verbesserten Position zum Abschluss zu kommen.

Freistoßposition

  • Der Freistoß befindet sich in einer Halbposition ca. 20-25 Meter vor dem Tor

  • größere Abstände sind durchaus möglich, allerdings in Abhängigkeit der Verteidigungspositionen des Gegners.

Variante 1

  • Grundsituation
    • Die ballbesitzende Mannschaft positioniert zwei Spieler zur Ausführung am Ball und jeweils einen Spieler links und rechts an der Mauer.
  • Ablauf
    • Spieler A täuscht einen direkten Torabschluss an, läuft aber über den Ball und an der Mauer rechts vorbei. Spieler D stellt direkt an der Mauer einen Block, um den äußeren Mauerspieler am sofortigen Eingreifen zu hindern.
    • Spieler B läuft mit dem Überlaufen des Balles durch Spieler A los und deutet ebenso einen direkten Abschluss an. Spielt jedoch den Ball an der Innenseite der Mauer flach vorbei.
    • Gleichzeitig mit dem Anlaufen von Spieler A startet Spieler C in hohem Tempo in Richtung Elfmeterpunkt. Dabei wird er mit einer hohen Wahrscheinlichkeit den Gegner E mitziehen. Nach 2-3 Metern macht Spieler C einen schnellen Richtungswechsel in entgegengesetzter Richtung, um den Ball von Spieler B zu erwarten.
    • Spieler C lässt den Ball im Rücken der Mauer in den Lauf von Spieler A prallen, sodass dieser möglichst direkt abschließen kann.
  • Alternative Ausführung
    • Spieler B kann den Ball direkt in den Lauf von Spieler A passen
    • Spieler C kann entscheiden, ob er den Ball selbst mitnimmt
      • Ausschlaggebend für die Entscheidung ist das Verhalten von Gegner E. Geht er mit Spieler C mit oder erkennt er die Situation nicht und Spieler C ist bei einer Ballmitnahme selbst frei vor dem Tor
    • Spieler B kann einen Chipball in die Mitte für ein Kopfballduell spielen

Variante 2

  • Grundsituation
    • Die ballbesitzende Mannschaft positioniert drei Spieler zur Ausführung am Ball und einen Spieler in Richtung Zentrum an der Mauer.
    • Zum besseren Verständnis gibt es zu dieser Szene auch bewegte Bilder von Rapid Wien, welche die Variante in einem Ligaspiel anwendeten: https://www.youtube.com/watch?v=oYtCOlyWeC0
  • Ablauf
    • Spieler A läuft auf den Ball zu, um einen direkten Torabschluss anzutäuschen.
    • Parallel verhalten sich Spieler B und C eher teilnahmslos, wobei Spieler B langsam auf den Ball zugeht.
    • Bevor Spieler A am Ball ist, spielt Spieler B den Ball zu Spieler C. Dieser stoppt den Ball seitlich der Mauer, sodass Spieler B den Ball mit einem verbesserten Winkel zum Tor an der Mauer vorbei passen kann.
    • Während die Gegner zunächst auf den direkten Freistoß von Spieler A fixiert sind, schleicht sich Spieler D langsam in den Rücken der Mauer, um mit dem Pass von Spieler B in den Raum hinter der Mauer zu starten.
      • Seine Bewegung sollte, bis zum Kontakt von Spieler A mit dem Ball, parallel zur Grundlinie erfolgen. Abseitsgefahr wird minimiert.
    • Spieler D kann im Rücken der Gegner frei zum Torabschluss kommen oder auf einen in der Mitte mitgelaufenen Mitspieler quer legen (z.B. A).
  • Alternative Ausführung
    • Spieler B/C können den Ball über die Mauer auf den durchlaufenden Spieler A chippen
    • Spieler B kann den gestoppten Ball von Spieler C direkt auf das Tor schießen
      • Entscheiden ist die Position der Mauer und des Torwarts. Ist der direkte Weg zum Tor frei bzw. steht der Torwart eventuell in der Erwartung einer Flanke und kann somit im kurzen Eck überrascht werden
    • Spieler B kann einen Chipball in die Mitte für ein Kopfballduell spielen 
  • Hinweise
    • Wichtig für das Gelingen ist ein zeitlich gut abgestimmter Ablauf. Hierzu sind mehrere Versuche im Vorfeld des Wettspiels nötig.
    • Die Spieler müssen genau den Zeitpunkt ihrer Aktionen kennen.
    • Die Positionen sollten an die technischen und konditionellen Fähigkeiten der Spieler angepasst sein
      • Beispiel für Variante 1: Spieler A – Torabschluss, Spieler B – präzises Passspiel, Spieler C – präzises Passspiel und Antrittsschnelligkeit, Spieler D – körperliche Voraussetzungen für eine Block
    • Die unbeteiligten Spieler (gelber Kreis) stellen sich zu Beginn der Aktion bewusst auf Höhe des Ballentfernten Pfostens auf, um die jeweiligen Gegenspielern zu binden und ihnen somit ein schnelles Eingreifen zu erschweren. Das Ziel für die Laufwege der Angreifer ist die abgewandte Hälfte des Strafraums bzw. des Fünf-Meter-Raumes, um dem Torabschluss nicht selbst im Weg zu stehen.

April 2017: 1-gegen-1 in der Defensive

Basisinformationen

Organisation

  • Mit Hütchen ein Feld von etwa 34 x 25 Metern abstecken
  • 2 Mannschaften zu je 4 Spielern einteilen (verschieden Trikotfarben)
  • 3 Längszonen klar markieren und je Zone 2 Stangentore gegenüber aufstellen

Praktische Tipps

  • Die Spieler über Ziele und Funktion der Übungen aufklären
  • Alle Spieler müssen in Bewegung sein und viele Aktionen haben
  • Aufgaben variieren

Übung 1

Laufkoordination: geschicktes Verstellen

  • Je 2 Spieler zum 2 x 1 gegen 1 in einer Außenzone
  • Zunächst dribbelt „Rot“ von Grundlinie zu Grundlinie auf seinen Gegner „Blau“ zu, welcher geschickt im Rückwärtslaufen zurückweicht, aber nicht direkt attackiert und nur den Dribbelweg verstellt
  • Aufgabenwechsel!

Übung 2

Schnelles Ballerobern: Team-Wettbewerb 1

  • Ablauf in einer Außenzone. Von „Rot“ haben alle Spieler als Angreifer je einen Ball
  • Von „Blau“ startet im Wechsel je ein Spieler ins Feld, um einen Ball zu erobern. Anschließend startet sofort der Nächste
  • Aufgabenwechsel!
  • Welches Team ist beim Ballerobern schneller?

Übung 3

Schnelles Ballerobern: Team-Wettbewerb 2

  • 4 x 1 gegen 1 in einer Außenzone: Von „Rot“ haben alle Spieler als Angreifer je einen Ball
  • Die Spieler von „Blau“ müssen in einer Minute möglichst häufig den Ball vom Gegner erobern
  • Aufgabenwechsel!
  • Welche Gruppe ist beim Ballerobern erfolgreicher?

Übung 4

Schnelles Ballerobern: Team-Wettbewerb 3

  • Der Ablauf bleibt analog zum zweiten Wettbewerb, jedoch wird auf ein Signal des Trainers das Feld entsprechend der Ansage gewechselt
  • Varianten
    • Felder auf zwei Zonen vergrößern
    • Einzelwettbewerb der Paare unter sich

Mai 2017: 1-gegen-1 suchen oder Ball sichern

Ausgangsgedanken

„Das Runde muss ins Eckige!“ Diese alte Weisheit von Sepp Herberger hat bis heute nichts an Bedeutung verloren. Trotz ständig neuer Trends und Trainingsinhalten bleibt das oberste Ziel immer noch das Toreschießen. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass in Zeiten der taktischen Detailversessenheit immer kompliziertere Kombinationsmöglichkeiten ersonnen werden, um die verstärkte Abwehrarbeit aushebeln zu können. Nicht selten ist es jedoch eine Einzelaktion, die im entscheidenden Moment den Unterschied ausmacht.

Das 1-gegen-1 als Basisfertigkeit
Es sind gerade die Ronaldos, Messis und Neymars, die bei Weltfußballer-Wahlen ganz vorne stehen und durch ihr geschicktes 1-gegen-1-Verhalten und ihre „Vollstreckerqualitäten“ nicht nur die Zuschauer in Verzückung bringen, sondern viel mehr auch die Spiele, Meisterschaften und Trophäen für ihre Mannschaften gewinnen. Dabei sind es aber nicht nur die eleganten Finten und Tricks, die sie den Gegner überwinden lassen. Vielmehr geht es darum, im richtigen Moment den Gegner auf dem falschen Fuß zu erwischen und mit einem schnellen Haken oder Tempowechsel an diesem vorbei zu gehen. Besonders Lionel Messi ist ein Vertreter dieser Zunft, der ohne große Finten die Verteidiger reihenweise ins Leere laufen lässt.

Strategisches Lösen von 1-gegen-1-Situationen
Im Folgenden werden daher Strategien vorgestellt, die das Lösen von frontalen 1-gegen-1-Situationen erfolgsversprechender machen, den Gegner in Bewegung bringen können und die es durch Gegnerbeobachtung ermöglichen, in dessen Rücken zu gelangen. Ziel ist es, aktiv zu agieren, statt auf den Verteidiger zu reagieren. Die Spieler sollen ermutigt und motiviert werden, auch wenn jemand gelegentlich am Gegner hängen bleibt. Dabei ist jedoch die offene Zweikampfführung nicht immer die beste Wahl des Ballführenden, da stets das Risiko besteht, den Ball im direkten Zweikampf zu verlieren. Wenn also der Ball in den eigenen Reihen gehalten werden soll, der Spieler eine ungünstige Positionierung hat (z. B. mit dem Rücken zum Gegner) oder die eigene Mannschaft gar in Unterzahl ist, kann es sinnvoller sein, erst den Ball zu sichern und den Angriff neu aufzubauen. Auch hierfür werden technische und strategische Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Doch wann soll ein Spieler welche Lösungsmöglichkeit anwenden? Zu Beginn steht immer die Entscheidung: das 1-gegen-1 suchen oder den Ball sichern.

Erwärmung

Organisation und Aufbau

  • Spielfeld: 20x25 m
  • An den längeren Seiten des Spielfeldes je 2 Minitore aufstellen sowie weitere Minitore an den Seiten im Abstand von 5 m zum Spielfeld
  • Innerhalb des Feldes Hindernisse (Steckmännchen, Stangen, Pylonen) gemäß Abbildung verteilen à je Minitor ein Hindernis pro Seite, sodass von rechts und von links auf das Minitor abgeschlossen werden kann

Ablauf

  • „Dribbelkönig“: freies Dribbeln innerhalb des Feldes mit Technikvorgaben
  • „Fintenkönig“: immer wieder ein Hindernis ansteuern, per Finte aussteigen lassen und auf ein Minitor abschließen
  • „Revolte“: Störspieler einsetzen, die den Dribbel- und Fintenkönigen die Bälle wegschießen dürfen

Coaching-Hinweise

  • Bereits im Erwärmen schon elementare Aspekte des Hauptteils schulen.
  • Es geht nicht um ein raumüberwindendes Dribbling (= Tempodribbling geradeaus), sondern ein gegnerüberwindendes Dribbling (= Richtungsdribbling diagonal); hier ist auf Tempo- und Richtungswechsel sowie die korrekte technische Ausführung mit Innen- und Außenseite zu achten.
  • Finten im freien Raum einführen (Demonstration), aber auch Raum für Kreativität lassen. Mögliche Finten sind: Körpertäuschung, Wischer, Übersteiger, Ronaldo, Matthews, etc.
  • Wettbewerbe sind jederzeit möglich, aber Achtung: für eine saubere technische Ausführung sollte die Druckbedingungen (Gegneraktivitäten) eher gering gehalten werden!
  • Beim Einsatz von Störspielern auf die Belastung achten, lieber kurze und intensive Durchgänge mit ausreichend Pausen durchführen.

Detailcoaching 1:1-Dribbling frontal

  • Nicht frontal auf den Gegner zulaufen (er muss seine Grundposition nicht verändern), sondern durch schräges Andribbeln den Verteidiger in Bewegung bringen und ihn ggf. auf den falschen Fuß locken.
  • Wichtig: den Blick vom Ball lösen, um den richtigen Abstand zum Gegner einschätzen zu können.
  • Bei Angriff eines Störspielers schnell entscheiden! Entweder mutig das 1-gegen-1 suchen (Tempo aufnehmen, schräg Andribbeln, Blick vom Ball lösen und ggf. auf den falschen Fuß locken) oder den Ball sichern (Körper zwischen Ball und Gegner und neues Hindernis ansteuern)

Das Videomaterial wird hierbei von der Jugendabteilung des SV Spielbergs (D-/C-Jugend) zur Verfügung gestellt. Ein herzlicher Dank geht deshalb an den SV Spielberg und sein Trainerteam!