Gottfried Fuchs-Preis

Die drei baden-württembergischen Fußballverbände Südbaden, Baden und Württemberg erinnern mit der Stiftung des Jugendpreises Gottfried Fuchs an den mehrfachen deutschen Nationalspieler Gottfried Fuchs jüdischer Herkunft. Darüber hinaus gedenken die Fußballverbände an die jüdischen und anderen diskriminierten Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre und Vereinsmitglieder, die nach der Machtübernahme durch die Nazis seit 1933 aus der Gesellschaft und der Fußballfamilie ausgeschlossen wurden.Werde Vorbild für Menschlichkeit und Toleranz und gewinne mit Deinem Jugendteam bis zu 6.000 Euro!

 

 

Der Preis

Der Jugendpreis Gottfried Fuchs wird alle zwei Jahre vergeben. Er ist mit insgesamt 10.500 Euro dotiert.

  1. Preis: 6.000 Euro
  2. Preis: 3.000 Euro
  3. Preis: 1.500 Euro

Wer kann sich bewerben?
Mit dem Jugendpreis werden Vereine, Abteilungen oder einzelne Mannschaften aus dem Jugendbereich der drei Fußballverbände ausgezeichnet, die allein oder in Kooperation mit Schulen und Schulklassen (ab Sekundarstufe 1) für Menschlichkeit und Toleranz entschieden eintreten und sich gegen Antisemitismus, Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung besonders engagieren. Die Maßnahmen (Projekte, Aktionen, Veranstaltungen und Initiativen) können einmalig oder auf Dauer ausgelegt sein. Diese dürfen nicht länger als April 2015 zurückliegen.

Die Bewerbungsfrist endet am 15. April 2017. Die Jury unter dem Vorsitz von bfv-Präsident Ronny Zimmermann sichtet im Anschluss alle Bewerbungen und legt die Preisträger fest. Bei einer offiziellen Preisverleihung in Karlsruhe werden die Preisträger ausgezeichnet. Eine Begründung der Jury erfolgt für die ersten drei Preisträger.

Die Bewerbungsfrist zum Jugendpreis Gottfried Fuchs endete am 15. April 2017. Über die neue Ausschreibung informieren wir an dieser Stelle.

Gottfried Fuchs

Der Karlsruher FV mit Gottfried Fuchs (1. sitzend v.l.) feierte 1910 erstmals den Deutschen Meistertitel.
Der Karlsruher FV mit Gottfried Fuchs (1. sitzend v.l.) feierte 1910 erstmals den Deutschen Meistertitel.
Das Titelbild von „Süddeutscher Illustrierter Sport“ vom 4. Juli 1921 zeigte das berühmte Innentrio der Altmeister-Mannschaft des Karlsruher FV: v.l. Fritz Förderer, Gottfried Fuchs, Julius Hirsch.
Das Titelbild von „Süddeutscher Illustrierter Sport“ vom 4. Juli 1921 zeigte das berühmte Innentrio der Altmeister-Mannschaft des Karlsruher FV: v.l. Fritz Förderer, Gottfried Fuchs, Julius Hirsch.

Gottfried Fuchs wurde 1889 in Karlsruhe geboren und spielte Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen mit Julius Hirsch beim Karlsruher FV. Dort und in der Nationalmannschaft spielte er zusammen mit Hirsch, u.a. auch bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm. Bis heute hält Gottfried Fuchs den Torrekord in einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft. 1912 erzielte er bei den Olympischen Spielen  gegen Russland zehn Tore, eine bis heute in einem Länderspiel eines deutschen Nationalspielers unübertroffene Zahl.

Wegen seiner sportlichen Haltung und seines fairen Verhaltens auf dem Platz wurde Gottfried Fuchs als Gentleman-Fußballer bezeichnet und war für die Trainerlegende Sepp Herberger das Idol seiner Jugendzeit. Gottfried Fuchs und Julius Hirsch wurden nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten aus den Vereinen ausgeschlossen und aus der offiziellen Liste der deutschen Fußballnationalspieler gestrichen. Beide wurden ausgegrenzt und verfolgt – ihre wirtschaftliche Existenz wurde vernichtet. Gottfried Fuchs und seiner Familie gelang 1937 die Emigration über die Schweiz zunächst nach Frankreich und 1940 schließlich nach Kanada, wo er unter dem Namen Godfrey Fochs lebte. Er starb 1972 an einem Herzinfarkt. Julius Hirsch wurde in Auschwitz ermordet.

Das Leben von Gottfried Fuchs und Julius Hirsch steht beispielhaft für die Ausgrenzung zahlreicher jüdischer Sportler aus der deutschen Gesellschaft.

Der Gentleman-Stürmer
Gottfried Fuchs wurde auch abseits des Platzes für seine faire und menschliche Art geschätzt. Folgendes Beispiel zeigt dies eindrucksvoll auf: 1910 gewann er mit dem Karlsruher FV die deutsche Meisterschaft gegen den FV 1902 Kiel. Die Entscheidung fiel erst in der Verlängerung durch einen an Fuchs verschuldeten Elfmeter. Die Kieler waren beim Bankett so deprimiert, dass Fuchs aus dem ihm von DFB-Präsident Gottfried Hinze überreichten Lorbeerkranz elf Zweige herauszupfte und sie den Kieler Spielern mit tröstenden Worten überreichte.

Von einem anderen Spiel des KFV ist überliefert, dass Fuchs den Schiedsrichter, der ihm beim Stand von 0:0 zu Unrecht einen Elfmeter zugesprochen hatte, davon überzeugte, über die eigenen Beine gestolpert zu sein, so dass der Strafstoß letztendlich nicht ausgeführt wurde.

Schirmherrin Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg

Foto: Sabine Schreiber
Foto: Sabine Schreiber

Gottfried Fuchs hat verkörpert, worauf es im Sport ankommt: Leidenschaft, Teamgeist, Haltung. Der gebürtige Karlsruher jüdischer Herkunft spielte Anfang des 20. Jahrhunderts für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Er gilt bis heute als Charaktervorbild, als Beispiel für Fair Play auf dem Rasen.

Vor den Nazis musste Gottfried Fuchs 1937 aus Deutschland fliehen. Denn Charakter und Haltung zählen für Rassisten und Antisemiten nichts. Leider fassen in Europa auch heute wieder solche Tendenzen Fuß. Es ist Zeit, dagegen zu halten.

Es freut mich deshalb sehr, dass die baden-württembergischen Fußballverbände mit dem Jugendpreis Gottfried Fuchs ein Zeichen für Menschlichkeit setzen. Ich wünsche mir, dass die Auszeichnung auf ein großes Interesse trifft und möglichst viele Vereine Flagge gegen Rassismus und für Weltoffenheit zeigen.

 

 

Jury

Ronny Zimmermann
bfv-Präsident
Jury-Vorsitzender

Thomas Schmidt
SBFV-Präsident
stellv. Jury-Vorsitzender

Matthias Schöck
wfv-Präsident
stellv. Jury-Vorsitzender

Sabine Frömke
Ministerialdirigentin Kultusministerium BW

Prof. Dr. Monica Heller
Enkelin von Gottfried Fuchs

Knut Kircher
wfv, ehem. FIFA-Schiedsrichter

Dr. Stephan Schlensog
Generalsekretär Stiftung Weltethos Tübingen

Olliver Tietz
Geschäftsführer DFB-Kulturstiftung

Peter Schmid
Südbadischer Fußballverband

Helmut Sickmüller
Badischer Fußballverband

Rainer Domberg
Württembergischer Fußballverband