Sexuelle Vielfalt

Gemeinsam für Vielfalt

Um die Akzeptanz weiter zu erhöhen, tauschten sich bfv-Vertreter mit Repräsentanten der beiden badischen LSBTTIQ-Sportvereinen mvd Mannheim und Uferlos Karlsruhe aus.

„Nur eine Gesellschaft, in der gleich- und gegengeschlechtliche Liebe gleichgestellt ist und jede Form der geschlechtlichen Vielfalt anerkannt ist, ist eine erstrebenswerte Gesellschaft“, bringt es Markus Kellmann, der 1. Vorsitzende des mvd auf den Punkt. Der 1996 gegründete Verein hat seit 2012 eine Fußballabteilung, die Quadratekicker. „Angehörige der LSBTTIQ-Community sind immer noch Vorurteilen oder Diskriminierungen ausgesetzt. Der Sport - und hier insbesondere die verbreitetste Mannschaftsportart Fußball - haben eine starke soziale und integrative Kraft, die Menschen vielfältiger Art zusammenführen kann. Dies bietet enorme Chancen Hürden zwischen Menschen zu überwinden.“

Daher nimmt sich der Badische Fußballverband schon seit 2013 dem Thema an, hat mit Sven Wolf einen Ansprechpartner im Verband installiert und seither Maßnahmen auf den Weg gebracht, die auf Sensibilisierung abzielen. Die Unterzeichnung der „Berliner Erklärung“ war ein erster symbolischer Akt, darauf folgte die Implementierung von Lerneinheiten zur sexuellen Vielfalt in der Vereinsjugendmanager-Ausbildung des bfv. Das Vorreiter-Engagement blieb überregional nicht verborgen und so wurde Wolf 2017 auch in die AG Vielfalt des Deutschen Fußball-Bundes berufen.

Bei dem Treffen in der Sportschule Schöneck tauschten sich die Vertreter über weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Als erstes Ergebnis vereinbarten sie die Teilnahme des bfv an den Christopher Street Days 2020 in Mannheim und in Karlsruhe. Kassenwart Michael Mallmann von uferlos e.V., dem schwul-lesbischen Sportverein Karlsruhe, der mit den Wildboys ebenfalls eine Fußballmannschaft stellt: „Wir haben uns sehr über die Einladung des bfv gefreut und begrüßen das damit verbundene Interesse sehr. Die Vereinbarung über eine Teilnahme des bfv an unserem CSD-Stand 2020 ist ein erster kleiner Schritt, unterschiedliche Lebensweisen auch im Fußball zur allgemeinen Akzeptanz zu führen. Wichtiger und entscheidender ist es, diese Akzeptanz in den einzelnen Vereinen zu erzeugen.“ Dafür wird das Thema „Sexuelle Vielfalt“ zusätzlich in die neue Trainerfortbildung „Soziale Kompetenzen und Wertevermittlung für Trainer“ eingebunden und mit Referenten aus den beiden Vereinen unterstützt.

„In unserem vielfältigen Prozess seit 2013 Sexuelle Vielfalt auch im bfv und somit im Fußball offen zu thematisieren, war dieses Treffen ein weiteres Puzzleteil. Beide Vereine sind Teil unserer bfv-Gemeinschaft und leisten wertvolle Arbeit. Jetzt gilt es Synergien zu nutzen, um gemeinsam für noch mehr Toleranz und Akzeptanz zu sorgen sowie Vorurteile abzubauen – auch und gerade im Fußball“, so Wolf.

bfv-Ansprechpartner für sexuelle Vielfalt

Sven Wolf
Sven Wolf

Der Fußball in Baden, der bfv und seine Vereine stehen jedem offen, der Fußball aktiv betreiben oder diesen in anderer Form unterstützen will. Dieses unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe und/oder sexueller Orientierung des oder der Einzelnen. Jedwede Form von Diskriminierung, Rassismus, Ausgrenzung und insbesondere auch Homophobie haben im Fußball keinen Platz. Dies wird im Badischen Fußballverband aktiv gelebt. Der bfv wird daher allen Bestrebungen entschieden entgegen treten, durch die Menschen aufgrund Ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert, ausgegrenzt oder in anderer Weise beeinträchtigt werden bzw. werden sollen.

Mit Sven Wolf verfügt der Badische Fußballverband über einen Ansprechpartner für sexuelle Vielfalt. Die Stelle der weiblichen Ansprechpartnerin ist derzeit vakant (Stand: Juni 2019). Die Ansprechpartner stehen für jegliche Anliegen im Zusammenhang mit sexueller Vielfalt im Fußball zur Verfügung und engagieren sich für Sensibilisierung und Akzeptanz. Alle, die Fragen haben oder einen Rat brauchen, können sich jederzeit vertrauensvoll an sie wenden. Seien es homo-, bi- und transsexuelle Fußballerinnen und Fußballer oder Spielerinnen und Spieler mit homo-, bi- oder transsexuellen Mannschaftskameraden, Eltern, Trainer oder Funktionären.

Sven Wolf outete sich mit 19 und „hatte damit nie Probleme“, wie er selbst sagt. Er möchte zukünftig beim bfv als Ansprechpartner für sexuelle Vielfalt „den Dialog mit allen Beteiligten suchen sowie zu einem offenen und vertrauensvollen Umgang miteinander aufrufen“. Ihn benannte der bfv als Ansprechpartner für sexuelle Vielfalt, noch bevor das Thema durch das Outing des ehemaligen Nationalspielers Thomas Hitzlsperger durch alle Medien ging. „In meiner Funktion als Ansprechpartner für sexuelle Vielfalt wünsche ich mir den offenen, respektvollen und wenn nötig vertraulichen Austausch und Umgang mit Betroffenen. Auch für Menschen, die beim Thema sexuelle Vielfalt unsicher sind, bin ich gerne da, um Vorurteile abzubauen. Denn jeder Mensch sollte unabhängig von seiner oder ihrer sexuellen Orientierung akzeptiert und respektiert werden.“

„Der Fußball mit seinen Verbänden und Vereinen lebt von der Vielfalt und bringt Menschen mit derselben Leidenschaft zusammen“, sagt bfv-Präsident Ronny Zimmermann. „Unser Sport steht für Fairness und Gleichberechtigung. Jeder ist willkommen. Der bfv möchte die Selbstverständlichkeit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, verdeutlichen. Wir gehen damit gegen Diskriminierung von Menschen und Bevölkerungsgruppen vor.“

Berliner Erklärung

Ronny Zimmermann bei der Unterschrift
Ronny Zimmermann bei der Unterschrift

Bereits am 17. Juli 2013 setzten Spitzenfunktionäre des Sports und mehrere Bundesminister ein deutliches Zeichen: Gemeinsamen unterzeichneten sie die "Berliner Erklärung" gegen Homophobie und für die Vielfalt, den Respekt und die Akzeptanz im Sport. Der VfR Mannheim gehörte neben sechs Proficlubs als einziger Amateurverein zu den Erstunterzeichnern dieser Erklärung. Mit der 26-seitigen Broschüre "Fußball und Homosexualität" gibt der DFB zudem seit Juli jedem praxisorientierte Informationen an die Hand. Auch der Badische Fußballverband hat die Berliner Erklärung unterzeichnet.

Die Erstunterzeichner der Erklärung