Im Mai wurde das Heinrich-Wetzlar-Haus der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee gGmbH offiziell in die Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“ der DFB-Stiftung Sepp Herberger und der Bundesagentur für Arbeit aufgenommen. Nun konkretisierte der Badische Fußballverband (bfv) mit Vertreter*innen des Schloss Stutensee, wie die Zusammenarbeit künftig mit Leben gefüllt werden soll.
Das Heinrich-Wetzlar-Haus bietet eine besondere Form des stationären Rahmens für aktuell 14 Jugendliche. Als Alternative zur Untersuchungshaft orientiert sich das Konzept konsequent an pädagogischen Parametern statt an Strafgedanken. Durch den Beitritt zur Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ erhält dieser Ansatz nun eine zusätzliche sportliche und berufsvorbereitende Komponente. „Fußball vermittelt Werte wie Teamgeist, Verantwortung und Verlässlichkeit. Gleichzeitig eröffnet er Möglichkeiten, sich persönlich weiterzuentwickeln und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Genau diese Chancen möchten wir den Jugendlichen eröffnen“, sagt Thomas Rößler, Vizepräsident des Badischen Fußballverbandes.
Beim Austausch in Schöneck verständigten sich die Projektpartner auf erste konkrete Maßnahmen. Künftig sollen unter anderem Einsätze des DFB-Mobils, Schiedsrichter- und Trainerausbildungen, Herzsicher-Schulungen sowie die Teilnahme am bfv Young Leadership-Day das pädagogische Angebot ergänzen. Darüber hinaus sollen bestehende Kooperationen mit dem Karlsruher SC als Patenverein sowie regionalen Amateurvereinen weiter ausgebaut werden, um den Jugendlichen den Einstieg ins Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement zu erleichtern. „Uns ist wichtig, dass jede und jeder Jugendliche ein passendes Angebot findet, unabhängig von den individuellen Voraussetzungen. Fußball kann weit mehr sein als Sport: Er schafft Zugehörigkeit, stärkt soziale Kompetenzen und eröffnet neue Perspektiven“, so Rößler. Auch Jens Brandt, Geschäftsführer der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee gGmbH, sieht in der Zusammenarbeit großes Potenzial: „Wir versuchen, unseren Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass gegenseitiger Respekt und Wertschätzung die Grundlagen unseres Zusammenlebens sind. Durch die Fußballprojekte und gemeinsamen sportlichen Aktivitäten können diese Kernkompetenzen gestärkt werden.“ Die Angebote werden künftig individuell an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen ausgerichtet und schrittweise in den Alltag der Einrichtung integriert.
Hintergrund:
Die Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“ unterstützt junge Menschen dabei, sich auf die Zeit nach ihrer Unterbringung vorzubereiten. Regelmäßiges Fußballtraining bildet dabei die Basis. Ergänzend nehmen die Jugendlichen an Bildungs-, Qualifizierungs- und Berufsorientierungsangeboten teil, etwa Schiedsrichter- oder Trainerausbildungen, Bewerbungstrainings oder weiteren Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung. Gemeinsam mit der DFB-Stiftung Sepp Herberger, der Bundesagentur für Arbeit, den beteiligten Einrichtungen und den Fußballverbänden entstehen so Perspektiven für ein straffreies und selbstbestimmtes Leben.