Auch in den Kreisen Pforzheim, Bruchsal und Sinsheim fanden in den vergangenen Wochen die Kreisehrungen der Aktion „DANKE SCHIRI.“ statt. Hierbei zeichneten die Schiedsrichtervereinigungen (SRVgg) gemeinsam mit dem Partner „Das Örtliche“ ihre Preisträger*innen auf Kreisebene aus, bevor es im März zur Verbandsehrung kommt.
Schiris braucht es nicht nur auf den badischen Sportplätzen, auch in der Nachwuchsgewinnung, der Begleitung von Neulingen und in ihren Schiedsrichtervereinigungen (SRVgg) sind sie unverzichtbar. Daher zeichnet der bfv verdiente Unparteiische gemeinsam mit „Das Örtliche“ in den Kategorien „Frauen“, „U50“ und „Ü50“ zunächst auf Kreisebene aus, bevor am 21. März mit der Verbandsehrung in der Sportschule Schöneck das Highlight bevorsteht.
Pforzheim
Der Pforzheimer Preisträger der Kategorie Ü50 heißt Thomas Both. Im Jahr 2013 entschied er sich nach seiner aktiven Karriere für einen Neulingslehrgang. „Neben der psychischen und physischen Fitness, die mir in meinem Alter guttut, versuche ich, den Spielern nicht als Feind, sondern als Freund zu begegnen“, erklärt der 64-Jährige. „Dazu gehört für mich auch, Fairness und Respekt zu zeigen, damit das auch zurückkommt.“ Es freue ihn ungemein, wenn Spieler und Zuschauer unabhängig vom Ausgang eines Spiels zufrieden mit seiner Leistung seien. Als Beobachter und Pate unterstützt Both junge Schiris inzwischen als erfahrener Mentor. Er wirbt ständig für neue Unparteiische, fördert die Gemeinschaft und die Inklusion. „Thomas zeichnet sich durch Respekt, klare Kommunikation, Hilfsbereitschaft und hohe Zuverlässigkeit aus“, lobt Jörg Augenstein, Vorsitzender der SRVgg Pforzheim, den Preisträger. Mit der Ehrung hätte Both „niemals gerechnet“, umso stolzer macht sie ihn aber. „Ich hoffe, dass ich meine Leistung und Leidenschaft noch einige Zeit auf den Platz bringen kann.“
Felix Stephan zeichnet im Kreis Pforzheim für die Leitung der Jung-SR-Gruppe verantwortlich und ist in dieser Funktion selbstverständlich auch Ansprechpartner für den Nachwuchs. Der 23-Jährige ist seit über zehn Jahren Schiedsrichter und engagiert sich seit 2021 auch im Lehrwarte-Team der SRvgg Pforzheim. „Mich motivieren die Herausforderungen während der Spiele und das stetige Arbeiten daran, diese Herausforderungen optimal zu meistern“, erklärt Stephan. Die Schiedsrichterei ist für ihn „eine wirklich gute Persönlichkeitsschule“, in der man den Umgang mit Menschen, mit Fehlern und das Treffen von Entscheidungen lerne. Seine Kollegen beschreiben ihn als „tolerant, respektvoll und hilfsbereit“. Das kommt auch zurück. „Ich habe das Gefühl, dass der Respekt und die Wertschätzung gegenüber Schiris in letzter Zeit etwas zugenommen haben“, befindet Stephan.
Bruchsal
Seit über 40 Jahren ist Michele Pascariello als Unparteiischer auf den Sportplätzen im Fußballkreis Bruchsal unterwegs. So kommt er inzwischen auf annähernd 2.000 Einsätze als Schiedsrichter oder Assistent. „Michele ist immer hilfsbereit, springt auch kurzfristig ein, wenn ein Schiri benötigt wird und wirbt, wo er kann, für die SR-Ausbildung“, lobt Alexander Bollheimer, Vorsitzender der SRVgg Bruchsal. Warum er überhaupt Schiri ist? „Ich habe viel Spaß dabei, solange mich meine Beine tragen“, grinst der 74-Jährige. Seine Motivation sei es, „den Vereinssport am Leben zu halten“, denn „ohne Schiris keine Spiele“. Auf seine Ehrung ist Pascariello mächtig stolz. „Ich fühle mich durch die Auszeichnung wertgeschätzt und bestätigt“, sagt er.
Fast 15 Jahre als Schiri und circa 600 Einsätze hat Moritz Dammert schon auf dem Buckel und das, obwohl er noch nicht einmal 30 ist. Seit 2011 leitete er nicht nur Spiele bis zur Landesliga und war als Assistent bis zur Oberliga unterwegs, sondern brachte sich auch in besonderem Maße in der SRVgg ein. Als Jungschiedsrichter- und Patenkoordinator im Lehrbereich, Schriftführer und stellvertretender Leiter des Förderkaders Mittelbaden machte sich der 29-Jährige unverzichtbar. Natürlich ist Dammert auch selbst als Pate und Beobachter aktiv, außerdem gestaltet er die Neulingskurse und Lehrabende mit. Sein soziales Engagement geht auch über die Schiedsrichterei hinaus: Er ist bzw. war Vorstandsmitglied im Kleintierpark Bad Schönborn und im Handharmonika-Club Weiher. Im Umgang untereinander bemerkt Dammert eine positive Entwicklung: „In den letzten Jahren konnte ich bei meinen Einsätzen und in Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen, Mitgliedern, Spielern und Zuschauern feststellen, wie die Wertschätzung und der Respekt gegenüber Schiris gestiegen ist.“ Für ihn gibt es viele Vorteile: „Vor allem das Gefühl nach umkämpften Spielen die Akzeptanz beider Mannschaften zu spüren und so die Bestätigung für meine Leistung und die getroffenen Entscheidungen im abgelaufenen Spiel zu bekommen.“
Die Preisträgerin in der Kategorie Frauen aus Bruchsal heißt Tabea Schupp und ist 19 Jahre alt. Seit 2021 pfeift sie Spiele, inzwischen bis zur Kreisliga. „Meine Motivation Schiedsrichterin zu sein, entsteht aus der Liebe zum Fußball und dem Wunsch, das Spiel aktiv mitzugestalten“, betont sie. „Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und für ein faires Spiel zu sorgen, macht mir großen Spaß.“ Für ihre SRVgg engagiert sich Schupp vor allem durch spontanes Einspringen bei Spielen und der Unterstützung von Neulingen. Auch die Werbung für SR-Nachwuchs ist ihr ein persönliches Anliegen, so macht sie über soziale Medien auf aktuelle Lehrgänge aufmerksam und konnte bereits zwei ihrer Freunde für die Schiedsrichterei begeistern. „Das Positivste ist für mich die Kombination aus sportlicher Herausforderung, Teamarbeit und persönlichem Wachstum. Als Schiedsrichterin ist man mitten im Geschehen und erlebt jedes Spiel aus einer besonderen Perspektive. Sehr positiv empfinde ich, dass immer mehr Frauen diesen Weg gehen und man merkt, wie sehr das die SR-Gemeinschaft bereichert“, freut sich Schupp.
Sinsheim
Erich Lindenthal „hat immer ein offenes Ohr für junge neue Schiris und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite“, bescheinigen die Kollegen aus der SRVgg Sinsheim dem Ü50-Preisträger. Seit 34 Jahren ist er Schiedsrichter, beteiligt sich aktiv an Lehrabenden und wirbt gerne für sein Hobby, was seinem SV Ehrstädt zuletzt zwei neue Schiris gebracht hat. Zur Schiedsrichterei kam Lindentahl ganz klassisch nach seiner aktiven Spielerkarriere. „Ich wollte dem Fußball verbunden bleiben und meinen fußballerischen Horizont erweitern, den ich bisher nur als Spieler und Trainer von Jugendmannschaften bedient hatte“, erklärt der 70-Jährige. „Die Einhaltung von Bestimmungen und Regeln sinnvoll umzusetzen, treibt mich auch heute noch an.“ Dass das Hobby zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt, kann er nur unterstreichen: „Man muss Verantwortung übernehmen, auch unangenehme Entscheidungen durchsetzen und lernt, sich in Konfliktsituationen Gelassenheit anzueignen.“ Seine Auszeichnung sieht Lindenthal als „Anerkennung seiner SR-Aktivitäten in nicht mehr ganz so jungem Alter“.
In der Kategorie U50 zeichnet die SRVgg Sinsheim Felix Arnold aus, der seit mehreren Jahren im Gespann mit Marvin Hoffmann für die Leitung des SR-Stützpunkts Rhein-Neckar verantwortlich ist. Als erfahrener Landesliga-Schiri, der bereits seit 2005 pfeift, nimmt der 38-Jährige regelmäßig neue SR-Assistenten mit zu seinen Einsätzen und verhilft diesen nicht selten zu ihrem Debüt in der Landesliga. Arnold gehört zum erweiterten Lehrstab der SRVgg, unterstützt und übernimmt die Lehrarbeit, wann immer er benötigt wird. Aktuell laboriert er an einer schweren Knieverletzung, möchte aber so schnell wie möglich wieder als Schiedsrichter auf dem Platz stehen. „Als Schiri entwickelt man mit jeder weiteren Spielleitung seine Persönlichkeit sowie sein Durchsetzungsvermögen weiter, da man sich stets auf neue Situationen einstellen und entscheiden muss“, ist sich der U50-Sieger sicher. Dies führe zu einer positiven Beeinflussung anderer Lebensbereiche. „Man hat als Schiri auch eine gewisse Vorbildfunktion, was natürlich Einfluss auf das eigene Verhalten hat.“ Über seine Auszeichnung freut sich Arnold sehr, „weil damit mein jahrelanges ehrenamtliches Engagement als Schiedsrichter und Stützpunktkoordinator wertgeschätzt wird.“
Einige Jahre weniger Erfahrung hat Natalie Engelhart als Schiedsrichterin, doch seit ihrer erfolgreich abgelegten SR-Prüfung im Jahr 2023 bringt sie sich aktiv in die SRVgg Sinsheim ein. Als Dreifach-Mama und trotz beruflicher Weiterbildung ist sie, wann immer es ihr möglich ist, als Schiedsrichterin oder Assistentin im Einsatz. „Was als ‚Ersatzhobby‘ und Perspektivwechsel nach meiner aktiven Laufbahn begonnen hat, möchte ich nicht mehr missen“, stellt die 42-Jährige klar. Viele ihrer SR-Kolleginnen und Kollegen seien „richtige Freunde“ geworden. Besondere Motivation findet sie mittlerweile darin, älteren Zuschauern, welche egal bei welchem Wetter ihren Verein unterstützen, ein faires Spiel zu ermöglichen. „Oft ist für viele Menschen der Sportplatz immer noch ihr Treffpunkt und das Highlight der Woche, egal welche Liga ihr Herzensverein spielt“, bemerkt die Preisträgerin. Neben der Schiedsrichterei ist Engelhart auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Waibstadt aktiv. „Vielen lieben Dank für diese wunderbare Auszeichnung und danke an die SRVgg Sinsheim für die tolle Unterstützung“, sagt Engelhart.